Modellprojekt: "Sprech-Kultur"
Sprachförderung und Integration nicht-deutschsprachiger Teilnehmer
Die über Jahre gewonnenen Erfahrungen im Umgang mit unterschiedlichen Sprachniveaus und verschiedenen ethnisch-kulturellen Hintergründen der Teilnehmer sollen in Zukunft als feste Größe in das Unterrichtssystem integriert werden.
Unser Modellprojekt geht über den Erwerb von Deutsch als Bühnensprache und das Gewährleisten von schulinterner Kommunikationsfähigkeit hinaus. Mit dem "Sprech-Kultur"-Programm fördert die theakademie die Auseinandersetzung der Teilnehmer mit der eigenen "Kultur des Sprechens" in Korrespondenz zur "neuen" (Sprach-)Kultur.
Dies gilt sowohl für die nicht-deutschsprachigen Teilnehmer als auch für diejenigen mit Deutsch als erster Sprache. In speziellem szenischem Unterricht erleben die Teilnehmer während des Grundstudiums spielerisch die Chancen und Schwierigkeiten im Umgang mit dem Sprechen in "fremder Sprache". Sie lernen dabei einander neu und umfassender kennen und können sich in ihrem Umfeld verorten, ohne ihre jeweilige kulturelle Identität aufgeben zu müssen.
Sommer-/Winterakademie
Ergänzt wird das Modellprojekt durch die seit einigen Semestern stattfindende "Sommer- oder Winterakademie". Hiermit bietet die theakademie ihren Teilnehmern die Möglichkeit, gemeinsam mit den DozentInnen ein Projekt im Ausland zu realisieren. Der Stoff, der während des Aufenthalts erarbeitet wird, entstammt dem Kulturkreis des Gastlandes. Mit den Reisen schaffen wir die Gelegenheit, unseren interkulturellen Ansatz und die entsprechenden Arbeitsergebnisse vor Ort, d.h. in einem anderen kulturellen Raum und Kontext, zu überprüfen.
Ziel ist es, feste Partnerschaften mit den Schwerpunktregionen Osteuropa und außereuropäisches Ausland einzugehen, um die Kooperation intensivieren zu können und über die Reisen hinausgehende Austauschmöglichkeiten zu schaffen. Erste Schritte in diese Richtung sind wir bereits bei der letzten Sommerakademie in Litauen gegangen. Die Akademien haben uns bisher nach Kroatien (2002, 2003, 2004), Tunesien (2004, Preis), Polen (2004) und Litauen (2005, Preis) geführt.
Projektklassen
Unser Unterrichtsprogramm gibt vor, ab dem vierten Semester semestergemischt in themenorientierten Projektklassen zu studieren, die von Schauspieldozenten geleitet werden. Gemeinsam mit einem Dozententeam aus den anderen Unterrichtsbereichen werden während der entsprechenden Semester in jeder Klasse Inszenierungen erarbeitet.
Die Arbeit in Projektklassen hat sich als Unterrichtskonzept bewährt. Es ergeht auch an schulexterne Regisseure und Schauspiellehrer die Einladung, sich für die Leitung einer Projektklasse zu bewerben. Hierbei stehen neben künstlerischer Qualität und Umsetzbarkeit an der theakademie vor allem Gesichtspunkte der Repertoirebildung und der interkulturellen Theaterarbeit im Vordergrund: die Teilnehmer sollen in ihrer Ausbildung eine größtmögliche Vielfalt von Arbeitsweisen und stilistischen Orientierungen ausprobieren und aktiv erfassen.
Arbeiten der Teilnehmer
Einen festen Bestandteil des Unterrichts bilden die Projekte, die von den Schülern in eigener Verantwortung, doch mit Begleitung durch unsere Dozenten (Coaching-System) erarbeitet werden. Die Schauspieler im 5. Semester präsentieren einen Soloabend in kompletter Eigenregie, die Theaterpädagogen inszenieren im 4. Semester ein Minidrama und die Dramaturgen erstellen Präsentationen ihrer Arbeiten aus dem Bereich dramatisches Schreiben. Die in diesem Bereich aufwändigsten Arbeiten stellen natürlich die Projekte der Regisseure dar - im Verlauf ihres Studiums entstehen zahlreiche Arbeiten, die zur öffentlichen Aufführung gebracht werden sollen. Auch hier bildet die Vernetzung der Ausbildungsgänge ein Grundprinzip. Regisseure, Schauspieler, Theaterpädagogen und Dramaturgen unterstützen einander bei der Projektarbeit. Durch die Prämierung und Wiederaufführung besonders gut gelungener Arbeiten wird der Wettbewerbsgeist der Teilnehmer gefördert. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Repertoirebildung: die Stückauswahl ist so konzipiert, dass sich die Teilnehmer im Verlauf ihrer Ausbildung einen guten Überblick über die Schwerpunkte der klassischen, modernen und zeitgenössischen Weltdramatik erarbeiten können.
Ein abschließender Gesichtspunkt ist die Einbindung in den alternativen Theaterbetrieb Berlins. Die Projekte kommen an wechselnden Spielorten zur Aufführung. Die Teilnehmer sind dadurch in der Lage sowohl schon etablierte Spielorte kennen zu lernen, als auch neue Lokalitäten zu erkunden. So ist auch die Vielfältigkeit des Publikums gewährleistet.
Modellprojekt: "Klaus Kinski - Junior Class"
Schauspielausbildung für sog. benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene
Ein besonderes Anliegen für die Zukunft ist schließlich die Realisierung des umfangreichen Modellprojekts "Klaus Kinski - Junior Class".
Das Modellprojekt fördert die soziale und berufliche Integration von jungen Erwachsenen, die als Schulabbrecher, Arbeitslose und / oder "Hartz IV"-Empfänger Gefahr laufen, an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden. Es ermöglicht den Zugang zu einem Berufsfeld, das auf dem "klassischen" Weg für die meisten (z.B. aufgrund mangelnder Schulabschlüsse) verschlossen bleibt. In der Ausbildung lernen die jungen Teilnehmer neben dem beruflichen Handwerk, dass man mit Mut, Ausdauer und Zeit etwas "Eigenes" hervorbringen kann. Schauspiel hilft, die eigene Identität zu finden und zu stärken. Neben der mental stabilisierenden Strukturierung ihres Alltags durch den Ausbildungsplan, liegt ein Schwerpunkt des Projekts darin, den Jugendlichen (schau)spielerisch beizubringen, die eigene Situation zu verstehen und zu bewältigen. Schauspiel ermöglicht über Metaphern, eigene Fantasie, reale und fiktive Geschichten, die individuellen Handlungsspielräume zu erweitern, eigene Grenzen zu überschreiten und Übersetzungshilfen für den Alltag zu schaffen. Die Bühne wird somit zur "Schule des Lebens". Das Selbstbewusstsein wird gestärkt, verborgene Potenziale entdeckt, Qualifikationen erworben, Teamarbeit und Toleranz erprobt und Verantwortung übernommen.
Als Resultat des Mitwirkens an dem einjährigen Projekt kann die Entscheidung für eine umfangreiche Schauspielausbildung stehen oder aber die Orientierung in ein anderes Berufsfeld, das nun mit neuer Motivation gestärkt betreten werden kann.
Chor
Über den Unterricht hinaus bildet der Chor gewissermaßen das Semester und Studiengänge übergreifende "Herzstück" der theakademie. Hier kommt das - für das Schauspiel besonders wichtige - Element des Chorischen zum tragen, internationales Liedgut wird vermittelt und die für uns zentrale Ästhetik der Mehrsprachigkeit besonders gefördert. Das Mitwirken am Chor gehört für alle Teilnehmer verpflichtend zur Ausbildung.
System Experimente
Die Integration von Bewusstem und Unbewusstem ist Bestandteil der psycho-physischen Existenzweise der Schauspieler. Zur Ausbildung an der theakademie gehören über Jahre erprobte Formen von Experimenten. Das 24-Stunden-Projekt der Erstsemester aller Fachrichtungen testet deren Belastbarkeit und die Freisetzung der Kreativität durch Erschöpfung. Der Blinde Spaziergang trainiert Vertrauen und Raumorientierung. Analog hierzu funktioniert die Orientierung durch Imagination, welche die dunkle Box Bühne permanent fordert.
Arbeit mit Medien und Technik
Theater ist eine archaische Form der Kommunikation, die sich vor dem Hintergrund der zeitgenössischen medialen Welt verändert und zugleich neu bewährt. Augenblicklichkeit und konkrete physische Präsenz sind die spezifischen Dimensionen des Theaters, welche die zeitgenössischen Tendenzen der Virtualisierung und medialen Konservierung konterkarieren. Theater ist ein langsames Medium. Es fördert das Hören nach Außen und in die eigene Innenwelt.
Trotzdem ist von professionellen Theaterarbeitern heute zu erwarten, dass sie die Arbeit mit technischen Hilfsmitteln beherrschen - Mikrofon, akustische Verstärkung, Kamera, Video- und Beleuchtungstechnik sind Werkzeuge, die heute nicht mehr aus der Arbeit wegzudenken sind. Auch die professionelle Präsentation von Künstlern und Projekten, ebenso wie Dokumentation und Archivierung finden auf der medialen Bühne statt. Dem Internet kommt hierbei eine immer bedeutendere Rolle zu.
Alle diese Felder werden im Verlauf der Ausbildung an der theakademie begleitend trainiert und zum Abschluss hin besonders fokussiert.
|