Ganzheitlichkeit und Interdisziplinarität
Die theakademie vertritt ein ganzheitliches Menschenbild. Die Teilnehmer werden in der Gesamtheit ihrer physischen, psychischen und intellektuellen Voraussetzungen und Möglichkeiten wahrgenommen und dabei unterstützt, diese individuell weiter zu entwickeln. Ganzheitlichkeit bedeutet auch, das Zusammentreffen von Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungshintergründen, verschiedener Nationalitäten und Altersgruppen sowie unterschiedlicher sozialer Herkunft zu fördern.
Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass die Aufgabenteilung zwar eine praktische Notwendigkeit der Theaterarbeit ist, dass aber eine zu enge Spezialisierung im künstlerischen Sinne eher nachteilig ist. Alle Ausbildungsgänge der theakademie basieren auf dem Primat der praktischen Produktionsarbeit und dem begleitenden Erwerb theoretischen Werkzeugs und teamorientierter Arbeitstechniken. Die Teilnehmer sind von Anfang an in die konkrete Theaterarbeit eingebunden und müssen lernen, kreativ mit Zeitdruck und einer hohen Aufgabenvielfalt umzugehen.
Einen Grundsatz im Unterricht der theakademie bildet die Verflechtung, die der tatsächlichen Komplexität entspricht. Die Teilnehmer lernen, das Schauspiel als einheitliches Ganzes zu erfahren und sich in diesem Prozess optimal einzubringen. Ebenso fördert die theakademie den Dialog zwischen den verschiedenen Medien und bietet durch die Struktur des Theaterreise e.V. und externer Kooperationspartner die Möglichkeit, sich für andere Kunstbereiche zu öffnen. Ohne den eigenen Studienschwerpunkt zu verlassen, können die StudentInnen ihre künstlerische Identität schärfen bzw. sogar erweitern.
Internationalität und Multikulturalität
Die theakademie führt den internationalen Ansatz des Theaterreise e.V. weiter und ist grundsätzlich um eine multikulturelle Zusammensetzung sowohl der Dozenten als auch der Teilnehmer bemüht. So suchen wir beispielsweise durch die Erfahrung fremder Sprachen und Musiken einen Zugang zum Rhythmus und zur Ästhetik anderer Kulturen und ihrer Verbindungsmöglichkeiten.
Die Dozenten geben die jeweiligen Impulse aus erster Hand weiter, die Teilnehmer bringen ihre Erfahrungswelten ein. Unterstützend wirkt hierbei auch die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern, z.B. im Rahmen der Sommer- und Winterakademie. Dementsprechend ist die theakademie offen für Menschen unterschiedlichster kultureller und sprachlicher Herkunft.
Teilnehmer mit binationalem Hintergrund können den "Spagat" zwischen zwei Kulturen kreativ bewältigen und als Vorteil nutzen, der den Zugang zu neuen ästhetischen Ausdrucksformen öffnet. Ebenso entwickeln die deutschstämmigen Teilnehmer ihre Neugier auf andere Kulturen und treten in Erfahrungsaustausch. Auch Teilnehmer anderer Kulturen, die mit der deutschen Sprache noch nicht vertraut sind, finden in der theakademie ihren Platz. Alle Teilnehmer werden beim Erwerb "ihrer" Fremdsprache unterstützt.
Selbstbewusstsein und Eigeninitiative
Kunst findet heute mehr denn je unter einer Vielfalt von Eindrücken und Möglichkeiten statt. Für die Kulturschaffenden bedeutet dies, eine umfassende Sensibilität für die Phänomene ihrer Umwelt zu entwickeln und das Wahrgenommene zu sich selbst in Bezug setzen und zu Neuem kombinieren zu können. Eine Voraussetzung hierfür ist, sich im Klaren über die eigene (künstlerische) Identität zu sein. Übergeordnetes Ziel aller Ausbildungsgänge ist daher, den Teilnehmern den unterstützenden Rahmen für die Entwicklung eines individuellen Profils zu geben.
Die Ausbildungsgänge sollen befähigen, auf der Basis einer soliden Kombination von praktisch-handwerklichen, theoretischen und die Persönlichkeit entwickelnden Ausbildungsinhalten den individuellen Weg zu suchen, um innerhalb und außerhalb des etablierten Kunstbetriebs Platz für den eigenen kreativen Ausdruck zu finden. Dies ist nicht nur relevant vor dem Hintergrund des künstlerischen Erfolgs, sondern auch zwingend notwendig für den pragmatischen Aspekt der Existenzsicherung: Klarkommen im "Gerangel" um Engagements und Aufträge, Überwinden von "Durststrecken", Kreativität angesichts möglicher Überforderung etc. erfordern Eigeninitiative und Ideenreichtum. Ohne Bewusstsein über das künstlerische Selbst ist dies nicht möglich. Die theakademie fördert deshalb bereits vom Ausbildungsbeginn an die Entwicklung von Selbstbewusstsein und unterstützt die Teilnehmer beim Erkennen ihrer eigenen Fähigkeiten und deren praktischer Nutzung.
Nikša Eterović
künstlerischer Leiter
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