Modellprojekt: "Sprech-Kultur"
- Sprachförderung und Integration nicht-deutschsprachiger Studierender.
Die über Jahre gewonnenen Erfahrungen im Umgang mit unterschiedlichen Sprachniveaus und verschiedenen ethnisch-kulturellen Hintergründen der AkteurInnen sollen in Zukunft als festere Größe in das Unterrichtssystem integriert werden.
Unser Modellprojekt geht über den Erwerb von Deutsch als Bühnensprache und das Gewährleisten von schulinterner Kommunikationsfähigkeit hinaus. Mit dem "Sprech-Kultur"-Programm fördert die theakademie, sich mit der eigenen "Kultur des Sprechens" in Korrespondenz zur "neuen" (Sprach)Kultur auseinanderzusetzen.
Dies gilt sowohl für die nicht-deutschsprachigen Studierenden als auch für diejenigen mit Deutsch als erster Sprache. In speziellem szenischen Unterricht erleben die Studierenden während des Grundstudiums spielerisch die Chancen und Schwierigkeiten im Umgang mit dem Sprechen in "fremder Sprache". Sie lernen dabei einander neu und umfassender kennen und können sich in ihrem Umfeld verorten, ohne ihre jeweilige kulturelle Identität aufgeben zu müssen.
Sommer-/Winterakademie
Ergänzt wird das Modellprojekt durch die seit einigen Semestern stattfindende "Sommer- oder Winterakademie". Hiermit bietet die theakademie ihren Studierenden die Möglichkeit, gemeinsam mit den DozentInnen ein Projekt im Ausland zu realisieren. Der Stoff, der während des Aufenthalts erarbeitet wird, entstammt dem Kulturkreis des Gastlandes. Mit den Reisen schaffen wir die Gelegenheit, unseren interkulturellen Ansatz und die entsprechenden Arbeitsergebnisse vor Ort, d.h. in einem anderen kulturellen Raum und Kontext, zu überprüfen.
In Zukunft möchten wir die internationale Ausrichtung noch stärker fokussieren und die Sommer- und Winterakademie in regelmäßigem Wechsel einmal im Jahr anbieten.
Ziel ist es, feste Partnerschaften mit den Schwerpunktregionen Osteuropa und außereuropäisches Ausland einzugehen, um die Kooperation intensivieren zu können und über die Reisen hinausgehende Austauschmöglichkeiten zu schaffen. Erste Schritte in diese Richtung sind wir bereits bei der letzten Sommerakademie in Litauen gegangen.
Projektklassen
Auch hinsichtlich der schulinternen Aktivitäten möchten wir uns noch mehr nach außen öffnen.
Unser Unterrichtsprogramm gibt vor, ab dem vierten Semester jahrgangsgemischt in themenorientierten Projektklassen zu studieren. Themen waren bisher z.B. Shakespeare, Ritual, Tschechov, Play Ionesco und Medea, die von je einem/einer Schauspieldozent/in betreut wurden. Gemeinsam mit einem DozentInnenteam aus den Unterrichtsbereichen Bewegung, Musikalität, Stimme/Sprechen, Theorie/Reflexion und Kostüm werden während der entsprechenden Semester in jeder Klasse Abschlussinszenierungen erarbeitet.
Die Arbeit in Projektklassen hat sich als Unterrichtskonzept bewährt.
Wir möchten sie jedoch erweitern und auch hier den interkulturellen Austausch stärker fördern. Geplant ist, die Projektarbeit ab jetzt öffentlich auszuschreiben, so dass sich schulexterne RegisseurInnen und SchauspiellehrerInnen mit einem eigenen Projekt um die Zusammenarbeit mit unseren Studierenden bewerben können.
Schwerpunkt soll auch hierbei die Begegnung von unterschiedlichen kulturellen Kontexten sein, indem insbesondere Bewerbungen von Theaterschaffenden aus anderen Ländern berücksichtigt werden. Als weitere Nebeneffekte sind erwünscht: "frischer Wind" im schulischen Alltag und die Möglichkeit für die SchülerInnen, auf internationaler Ebene Kontakte im Kulturbetrieb außerhalb der theakademie knüpfen zu können.
Die erarbeiteten Inszenierungen sollen in einem festen Spielplan häufiger als bisher und in Kooperation mit anderen -auch internationalen- Spielstätten und Institutionen zur Aufführung kommen
Modellprojekt: "Klaus Kinski - Junior Class"
- Schauspielausbildung für sog. benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene.
Ein besonderes Anliegen für die Zukunft ist schließlich die Realisierung des umfangreichen Modellprojekts "Klaus Kinski - Junior Class".
Das Modellprojekt fördert die soziale und berufliche Integration von jungen Erwachsenen, die als Schulabbrecher, Arbeitslose und/oder "Hartz IV"-Empfänger Gefahr laufen, an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden. Es ermöglicht den Zugang zu einem Berufsfeld, das auf dem "klassischen" Weg für die meisten (z.B. aufgrund mangelnder Schulabschlüsse) verschlossen bleibt.
In der Ausbildung lernen die jungen AkteurInnen neben dem beruflichen Handwerk, dass man mit Mut, Ausdauer und Zeit etwas "Eigenes" hervorbringen kann. Schauspiel hilft, die eigene Identität zu finden und zu stärken. Neben der mental stabilisierenden Strukturierung ihres Alltags durch den Ausbildungsplan, liegt ein Schwerpunkt des Projekts darin, den Jugendlichen (schau)spielerisch beizubringen, die eigene Situation zu verstehen und zu bewältigen. Schauspiel ermöglicht über Metaphern, eigene Fantasie, reale und fiktive Geschichten, die individuellen Handlungsspielräume zu erweitern, eigene Grenzen zu überschreiten und Übersetzungshilfen für den Alltag zu schaffen. Die Bühne wird somit zur "Schule des Lebens". Das Selbstbewusstsein wird gestärkt, verborgene Potenziale entdeckt, Qualifikationen erworben, Teamarbeit und Toleranz erprobt und Verantwortung übernommen.
Als Resultat der Teilnahme an dem einjährigen Projekt kann die Entscheidung für eine umfangreiche Schauspielausbildung stehen oder aber die Orientierung in ein anderes Berufsfeld, das nun mit neuer Motivation gestärkt betreten werden kann.
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